Am Sonntag war ich mit meiner (Groß)Cousine und ihrem Bruder im Spielzeugmuseum hier in München. Und dort war eine elektrische Eisenbahn. Er stand ganz geband davor und da viel mir ein, dass ich auch so eine habe. Und da habe ich sie ihm geschenkt. Er hat sich wirklich sehr gefreut, und ich natürlich auch. Er hat mich noch gefragt:"Darf du das denn überhaupt." Gedacht habe ich mir, dass ich 23 bin und über meine Sachen selber verfügen kann.
Aber nicht so schnell. Pustekuchen. Als die ganze Familie abgefahren ist, hatte ich heillosen ärger. Er hatte Tränen in den Augen.
Ich wurde darüber aufgeklärt, dass die Eisenbahn selber ein Geschenk an mich gewesen ist und eben Geschenke nicht weitergeschenkt werden. Zudem war dieses Geschenk sehr teuer.
Der Grund für das Geschenk war gewesen, dass ich ihm 1. eine Freude machen wollte und 2. ich es eh nicht mehr brauche.
Und in den Augen meines Vater sieht er wieder einmal eine Bestätigung dafür, dass ich 1. schlecht mit meinen Sachen umgehe und 2. ich nicht mit Geld umgehen kann und 3. ich kein Verhältnis für Geld habe.
Danielle1798 - 5. Aug, 19:26
...
Sehen wir was "wir machen können".
Ich hatte ja Besuch von meiner Großcousine, die mehr und mehr eine Freundin wird.
Am Donnerstag hatte meine Mutter die Sache meinem Vater erzählt. Der war nicht sehr erfreut. Aber von dem Habe ich nichts mitbekommen, weil ich ja mit dem Besuch beschäftigt war.
Erst heute nachdem die Eltern meine Großcousine abgeholt haben.
Ich hatte noch eine kleine Hoffnung, aber die wurde mir genommen.
Jetzt wird alles schlimmer. Ich soll mich einfach mehr disziplinieren in meinen Taten. Sogar meine Tante weiß von den Depressionen, aber die hier ja nicht anerkannt werden. Sie meinen, dass ich einfach zu faul bin zu arbeiten. Obwohl ich ja meiner Mutter von meiner Unkonzentration und den Gedächtnislücken erzählt habe, aber das zählt hier nicht.
Danielle1798 - 5. Aug, 01:51
Heute war ich länger Unterwegs. Ich war mit Freunden im Kino und sind dann noch später in die Bücherei gegangen.
Als ich nach dem Nachhauseweg war, hatte ich 21 Anrufe in Abwesenheit in einem Zeitraum von etwa drei Uhr bis etwa acht Uhr. Als ich meine Mutter anrief sagte sie mir:"Es ist was schreckliches passiert." Aber was sagte sie mir am Telefon nicht. Sondern nur, dass wir reden müssen. (Ich hasse diesen Satz.) Ich machte mir Gedanken und hatte - mal wieder - Angst. Als ich dann nach Hause kam, hatte meine Mutter einen Anruf von meiner Therapeutin, die ich in der Früh noch angerufen hatte. Sie informierte nun meine Mutter, dass ich sie angerufen hatte und ihr erzählt hatte, dass ich in die Klapse eingeliefert werden wollen würde.
Wir haben echt ruhig geredet. Ohne meinen Vater. Der wusste nichts von dem Anruf.
Ich habe sie etwas über meine Krankheit informiert. Da dachte ich mir, dass es vielleicht noch besser werden könnte. Aber ich bin etwas skeptisch.
"Wir reden am Montag weiter. Ich überleg mir inzwischen was wir machen können."
To be continued ...
Danielle1798 - 1. Aug, 18:39
Heute hatte ich wieder einen Termin bei meinem Nervenarzt. Ich bin ja bei einer Psychologin in Behandlung. Und die Nervenärzte müssen hinzugezogen werden.
Mein Arzt hat mir vorgeschlagen, dass ich mir überlegen sollte , ob ich in eine Klinik gehen will oder nicht.
Zum einen hatte ich das schon vor etwa einem Monat vor. Aber danach ging es wieder besser. Jetzt ist alles wieder so schlimm wie vorher. Die ganze Palette. Und ich weiß nicht wie ich mein Leben auf die Reihe bekommen soll. Ich mache Dinge, die ich selbst gar nicht will. Aber auf der anderen Seite weiß ich nicht was ich will. Eigene Gedanken kommen nur sehr schwer von der Hand. Sie werden meistens von meinen Eltern verhindert oder gebremst. Ich habe einfach keine Kraft mehr auf mich zu achten, manchmal ist es mir auch wurst und ganz egal.
Ich will hier überhaupt nicht klagend und mit Selbstmitleid badend daherkommen. Aber so kann ich mir das einfach mal von der Seele schreiben. Zur Zeit bin ich nämlich wieder mal sehr zurückgezogen. Und sehr unangenehm.
Wie auf der Party am Samstag. Zuerst wollte ich gar nicht hingehen. Aber dann hat mich dort ein attraktiver und sehr netter Typ angeredet. Hatten auch eine gute Unterhaltung. Bis er von sex angefangen hat. Und dann konnte ich meinen ganzen Selbsthaß darauf projizieren. So habe ich mich natürlich nicht attraktiver gemacht. Und da er sehr auf Sex ausgelegt ist, und ich überhaupt nicht, kamen wir nicht auf eine Wellenlänge. Obwohl er wirklich nett war. Aber ich bin einfach zu dumm und einfach unfähig auf sowas einzugehen.
Er hat zwar meine Nummer, aber bis jetzt hat er sich nicht gemeldet.
Ich will einfach normal Leben können. Das ist mein größter Wunsch. Anerkannt zu sein und einfach meine Seiten auszuleben und glücklich zu werden. (Ist aber zu viel verlangt)
Danielle1798 - 31. Jul, 17:53
Ich war wieder so deprimiert und sonstiges, das ich ersten nur häulen könnte und zweitens nichts machen könnte. Deswegen hab ich auch so lang nicht mehr geschrieben.
Ich habe nun eine Therapie angefangen. Und Antidepressiva bekommen. Ich mache nun eine Verhaltenstherapie. Es gefällt mir eigenlich ganz gut. Soweit man von gefallen sprechen kann.
Gestern beim aufwachen höre ich neben meinem Bett eine Stimme:"du hast schon wieder gelogen." Meine Mutter. Sie hat mal wieder zufällig in meinem Geldbäutel nachgeschaut und hat dort einen Zettel vom Psychotherapeut gefunden. Ich hab den dort nicht rausgenommen.
"Bitte werde clean. Die Ferien kannst du dafür nützen."
Ja, meine Eltern sind der Meinung, dass solche Tabletten süchtig machen und einen ein richtiges High-gefühl geben würden. Eine der ersten Vorurteilen.
Danielle1798 - 30. Jul, 20:50
Es ist irgendwie komisch. Ich hab wirklich keine Lust neue Geschichten zu schreiben oder von meinem Leben zu berichten.
Es dümpelt vor sich hin. Ich schreibe an der Seminararbeit und bin etwas sauer auf eine Lehrerin.
Die Frage war ja, wo ich die Arbeit schreiben wollte. Nun war ich ja bei der Theatergruppe dabei. Und unsere Lehrerin dort hatte Thema: "Darstellerisches Gestalten" Mein Thema, das mir so super gefallen hätte. Ich hatte sie gefragt, ob sie noch frei wäre, denn sie hatte nur Platz für zwei Schüler. Und da war sie voll. Deswegen hat sie mir abgesagt. Aber jetzt hat auch ein anderer von der Theatergruppe gefragt und den hat sie genommen. So unfair.
Nun schreibe ich bei jemand anderes über das Thema:"Die Bartholomäusnacht". Das übergeordnete Thema war:" Religiöse Konflikte in Geschichte und Gegenwart" Naja muss mich wohl damit abfinden. Ich finds halt immer noch unfair. Aber nachtragend bin ich nicht. Ich werds schon vergessen.
Danielle1798 - 27. Jul, 11:15
Einige Leute haben einen sehr speziellen Umgang mit Depressiven. Aber es geht ja schon so los, dass die gar nicht anerkennen, dass es eine Krankheit namens Depressionen gibt. Es ist zwar eine anerkannte Krankheit, aber sie leugnen diese Tatsache. Sie sind der Meinung, dass diese Menschen nichts leisten. Und einfach nur zu faul fürs Arbeiten, unnütz und nicht gesellschaftsfähig sind. Sie müssen einfach nur motiviert werden. Man muss ihnen alles anschaffen was sie machen sollen. Und das machen die dann auch nicht so gut. Was fällt denen eigentlich ein? Das wichtigste ist ja produktiv zu sein. Gefühle zählen da nicht.
Man muss diesen unüzten Menschen alles von vorn bis hinten sagen. Machen sie dies nur ungenügend, muss man einfach schreien und sagen:"Das ist ja schlimm, was ich da sehe. Und du bist einfach nur zu blöd dazu. Du bist einfach ein dummes Stück." Und man muss sie anschreien: vorwärts! geht das nicht schneller?!
Wenns dann immer noch nicht der Vorstellung erreicht geht das so weit, dass man diese faulen Menschen einfach das beste im Leben nimmt. Die Freunde, die dann falscher Umgang sind, die Hobbies, die von dem Ziel ablenken. Und dann gehts langsam aufwärts. Die unnützen Menschen fügen sich jetzt und machen das was man will.
So einfach kann es sein. Und das ist das beste. Man kann "Depressive" sehr gut beeinflussen.
Danielle1798 - 20. Jul, 20:57
Der Raum stinkt.
Ich muss mich zusammennehmen, keine Angst zeigen. Die Wächter schauen schon. Langsam wird es unangenehm. Beten kann ich bestimmt nicht, das wurde zwar zugelassen, aber ich traue mich nicht. Ich glaube sowieso nicht ans Höhere Wesen, sondern nur an Gott. Aber das darf ich nicht zugeben.
Bin ich die letzte von meiner Familie? Kenn ich jemand, der noch nicht verhaftet worden ist? Wie viele sind vor mir wohl verhaftet worden? Ich habe nicht mitgezählt. Das war sowieso ein hoch und tief. Eine schwierige Zeit. Aber bald bin ich an der Reihe. Wie soll ich mich geben? Kann man noch seine letzten Worte sagen? Was soll ich sagen? "Ich verzeihe meinen Mördern?" Aber das wäre bestimmt nicht besonders intelligent, weil zu sehr reißerisch. Die Meute würde sich aufregen. Hoffentlich fällt mir einfach spontan etwas ein.
So muss es wohl auch geschehen, sie holen mich ab. Nur nicht weich werden. Nur keine Angst zeigen.
Das Licht, die Sonne, der Wind, der Geruch der Menschen, der Stadt all dies ist jetzt das letzte was ich rieche.
Schon werde ich auf den Wagen geschoben. Das Volk schreit. Viele sind nicht gekommen. Aber das ist wahrscheinlich nicht notwendig, sondern auch gut so. Es waren sowieso ziemlich viele in den letzten Tagen.
Ich schaue nur gerade aus. Das Volk beschimpft mich als Verräterin. Die wissen gar nichts. Haben keine Ahnung. Der Unbestechliche hat sie aufgehetzt.
Wie lang dauert die Fahrt? Langsam soll doch nun alles vorbei sein. Mehr als mein Leben können sie mir eh nicht mehr nehmen. Freunde sind vor mir schon ermordet worden. Ich wurde geschont, bis jetzt.
Der Wind fährt durch mein noch bestehendes Haar. Versuche nicht schwach zu werden.
Die letzten Schritte noch.
Da steht auch schon das Ungetüm. Natürlich sind um diesen Platz mehr Menschen gekommen.
Sie wollen sehen, wer jetzt dran ist.
Ein paar Schritte sind es noch.
Ich sehe die Guillotine auf mich zukommen.
Bedrohlich.
Bald werde ich meinen Kopf verloren haben.
Der Boden ist rot.
"Aussteigen!"
Die Treppen hoch.
Keine letzten Worte. Ich bringe nichts über die Lippen.
Hinlegen.
Das letzte Geräusch ist lautes Jubeln.
Danielle1798 - 12. Jul, 17:27
Sie sieht sich das Messer genau an. Der Hallogenscheinwerfer spiegelt sich im Messer. Das sieht sie aber nicht. Sie überlegt. Sie denkt nach. Über alles was sie heute falsch gemacht hat. Sie sieht sich das Messer an und dreht es einmal in der Hand herum.
Sie überlegt sich, wieso sie diesen Zirkus immer und immer wieder machen muss. Sieht sich das Messer noch einmal an.
Und sieht die verschiedenen Rillen des Messers. Sie überlegt noch einmal. Denkt über ihren Tag nach.
Hätte sie nicht lieber die andere Tasse Kaffee nehmen sollen. Sie denkt an jede einzelne Kleinigkeit, für die sie sich jetzt schämt oder ein schlechtes Gewissen hat.
Aber das wird nun bald vorbei sein.
Sie schiebt den Ärmel ihres Pullis zurück und denkt das letzte Mal nach.
Jetzt berührt das Messer ihren Arm. Kalt ist das Messer.
Sie drückt so fest wie sie es schaft das warmgewordene Messer an den Unterarm und zieht. Leider nicht tief genug. So setzt sie nochmal an und nun sieht sie etwas Blut. Sie denkt, dass sie doch früher fester schneiden konnte. Und versteht es nicht.
Sie hat immer noch kein Gefühl und setzt an einer andern Stelle nochmal an. Und drückt fester.
Mehr Blut sieht sie aus dem Schnitt herausquellen. Glückshormone überkommen sie. Ihr wird warm und ein kleines Lächeln fährt über ihren Mund. Sie ist stolz und zufrieden.
Dann legt sie das Messer weg und betrachtet den Schnitt von allen Seiten. Das Blut ist immer noch da, und das Lächeln wird etwas größer.
Sie ist zufrieden und glücklich.
Danielle1798 - 12. Jul, 15:47